Gebäude-/ Bauschadstoffe

Sie sind in vielen Bauten im Bestand zu finden!

In Gebäuden wurden früher Baumaterialien verbaut, die chemische Verbindungen (PCB, PAK) oder Fasern (Asbest, KMF) enthalten, die heute für Mensch und/oder Umwelt als Schad- oder gar Gefahrenstoffe gelten. Es gibt jedoch heute neue Baumaterialien, wie z.B. Nanotubes, über deren Gefahren kontrovers diskutiert wird. Nicht nur durch verbaute Materialien, auch über die Nutzung von Gebäuden können Gebäude mit Schadstoffen kontaminiert worden sein oder immer noch werden.

Um im mit Asbest, PCB, PAK oder Holzschutzmittel (PCP, Lindan) kontaminierten Bereichen Arbeiten auszufühen, das gilt auch bei Gebäudechecks auf Schadstoffe (Asbest, PCB, PAK, Holzschutzmittel), ist eine angemessene persönliche Schutzausrüstung (PSA) unerlässlich
Bild: Arbeiten im kontaminierten Bereich erfordern Schutzmassnahmen

Bauschadstoffe

Bauschadstoffe sind in der VVEA (Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen) aufgeführte Schadstoffe, die in Materialien, die zu einem Bauwerk (nicht nur Gebäude) und deren festinstallierten technischen Ausrüstung gehören, enthalten sind, unabhängig davon, ob diese bereits bei der Herstellung ein Bestandteil des Produktes waren oder später nutzungsbedingt oder durch ein Schadenereignis dieses Material kontaminierte.

Hinsichtlich einer Gefährdung von Mensch oder Umwelt als besonders zu beachtende Bauschadstoffe und deshalb auch im Fokus der Gesetzgebung, sind Asbest, polychlorierte Biphenyle (PCB), polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Schwermetalle.

Gebäudeschadstoffe

Unter Gebäudeschadstoffen sind nicht nur Bauschadstoffe in Gebäuden zu verstehen, sondern alle Schadstoffe, mit denen Gebäude, auch die Raumluft, belastet sind.

Nebst den unter Bauschadstoffen genannten Toxine sind weitere schwerflüchtigen organischen Verbindungen (SVOC), insbesondere Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), kurzkettige Chlorparaffine (SCCP) Holzschutzmittel wie Pentachlorphenol, Lindan und Carbolineum, von grosser Bedeutung. Aber auch Lösungsmittel, Formaldehyd, lungengängige und biobeständige künstliche Mineralfasern werden zu den Gebäudeschadstoffen gezählt. Schimmelpilzschäden und Taubenkot gelten als biogene Gebäudeschadstoffe. Je nach Verfasser wird Radon, ein radioaktives Gas, das vor allem aus dem Boden ins Gebäude eindringt, als auch Feinstaub und andere Luftschadstoffe, die durch Lüften Innenräume belasten, auch den Gebäudeschadstoffen zugeordnet oder weil sie das Gebäude von aussen belasten, eben nicht.

Rechtliche Aspekte

Verantwortung der Eigentümmer / Bauherrschaft

Kausalhaftung

Das OR sieht in Art.58 "Haftung des Werkeigentümers" vor:

Der Eigentümer eines Gebäudes oder eines andern Werkes hat den Schaden zu ersetzen, den diese infolge von fehlerhafter Anlage oder Herstellung oder von mangelhafter Unterhaltung verursachen.

Verantwortung für die Bauabfälle

Die Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (Abfallverordnung, VVEA) besagt in ihrem Art.16:

Bei Bauarbeiten muss die Bauherrschaft der für die Baubewilligung zuständigen Behörde im Rahmen des Baubewilligungsgesuchs Angaben über die Art, Qualität und Menge der anfallenden Abfälle und über die vorgesehene Entsorgung machen, wenn voraussichtlich mehr als 200 m3 Bauabfälle anfallen; oder Bauabfälle mit umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Stoffen wie polychlorierte Biphenyle (PCB), polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Blei oder Asbest zu erwarten sind.

Verantwortung von Planern und Bauunternehmen

Ermittlungspflicht

Die "Verordnung über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten" (Bauarbeitenverordnung, BauAV) legt in Art. 3 "Planung von Bauarbeiten" fest:

Besteht der Verdacht, dass besonders gesundheitsgefährdende Stoffe wie Asbest oder polychlorierte Biphenyle (PCB) auftreten können, so muss der Arbeitgeber die Gefahren eingehend ermitteln und die damit verbundenen Risiken bewerten. Darauf abgestützt sind die erforderlichen Massnahmen zu planen. Wird ein besonders gesundheitsgefährdender Stoff im Verlauf der Bauarbeiten unerwartet vorgefunden, sind die betroffenen Arbeiten einzustellen und ist der Bauherr zu benachrichtigen.

Strafbarkeit einer Gefährdung

Das Strafgesetzbuch sieht in Art.29 "Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde" vor:

Wer vorsätzlich bei der Leitung oder Ausführung eines Bauwerkes oder eines Abbruches die anerkannten Regeln der Baukunde ausser acht lässt und dadurch wissentlich Leib und Leben von Mitmenschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Mit Freiheitsstrafe ist eine Geldstrafe zu verbinden.

Lässt der Täter die anerkannten Regeln der Baukunde fahrlässig ausser Acht, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

MAK (maximale Arbeitsplatzkonzentration)

Nach Art. 50, Abs.3 der Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV) kann die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) Richtlinien über maximale Arbeitsplatz-Konzentrationen gesundheitsgefährdender Stoffe sowie über Grenzwerte für physikalische Einwirkungen erlassen.

In der Info-Box zu dieser Zeit sind die bei Bauarbeiten einzuhaltende MAK-Werte gelistet.