Turbulente Aerosolwolken beim Niesen – Reichweite weit grösser als angenommen
JAMA-Analyse zeigt: Atemwegspartikel breiten sich in einer zusammenhängenden turbulenten Gaswolke aus und können 7–8 Meter weit gelangen
Lydia Bourouiba vom MIT analysierte in diesem einflussreichen JAMA-Beitrag die Physik von Atemwegsemissionen beim Husten und Niesen auf Basis von Hochgeschwindigkeits-Videoaufnahmen und Strömungsphysik.
Zentrale Befunde
Beim Niesen und Husten werden Partikel nicht als isolierte Tröpfchen ausgestossen, sondern als zusammenhängende turbulente Gaswolke, die Partikel aller Grössen umschliesst und mitführt. Diese Wolke verhindert, dass grössere Partikel rasch absinken – sie bleiben länger in Suspension, als es das klassische Wells-Modell vorhersagt. Die Reichweite wurde experimentell mit bis zu 7–8 Metern bestimmt.
Die tradierte Grenze von 5 µm zur Unterscheidung zwischen «Tröpfchen» (settlen rasch) und «Aerosolen» (bleiben schweben) sei physikalisch wenig sinnvoll: In der turbulenten Gaswolke verhalten sich auch grössere Partikel wie Aerosole.
Bedeutung für die Praxis
Die Studie erschütterte die damals geltende Empfehlung, ein Abstand von 1–2 Metern biete ausreichenden Schutz. In schlecht belüfteten Innenräumen reicht dieser Abstand nicht aus – nicht wegen der Aerosolphysik allein, sondern weil turbulente Gaswolken aktiv grössere Partikel über weite Distanzen transportieren können.