Superspreading-Event bei Chorprobe – Skagit County, Washington

CDC-Bericht: Eine infizierte Person steckt 52 von 61 Chorsängern an – Aerosole als wahrscheinlichster Übertragungsweg

· mdu · Hygiene, Studie

Der Skagit-Valley-Chorale-Fall wurde zu einem Referenzereignis für die aerogene Übertragung von SARS-CoV-2 und wurde später in einer eigenen Modellierungsstudie (Miller et al. 2020, Indoor Air) analysiert.

Was geschah

Am 10. März 2020 nahmen 61 Mitglieder des Skagit Valley Chorale an einer zweieinhalbstündigen Probe in einem Gemeindesaal teil. Alle anwesenden Personen waren asymptomatisch oder hatten nur leichte Beschwerden. Drei Wochen später waren 52 von 61 Teilnehmenden an COVID-19 erkrankt; zwei verstarben.

Warum Aerosole die entscheidende Rolle spielten

  • Die Angriffsrate von 87 % übersteigt bei Weitem das, was durch Tröpfchen- oder Kontaktübertragung erklärbar wäre.
  • Die infizierten Personen verteilten sich gleichmässig im Raum – kein Muster, das auf Nahkontakt hindeutet.
  • Singen erzeugt grosse Mengen an Aerosolen; die zweieinhalbstündige Exposition in einem mässig belüfteten Raum führte zu einer akkumulierten Virenlast in der Raumluft.

Konsequenz für Innenraumhygiene

Dieser Fall belegt eindrücklich, dass Sprechen, Singen und Atmen in schlecht belüfteten Innenräumen über längere Zeit das primäre Übertragungsrisiko darstellen – und nicht der punktuelle Nahkontakt. Abstandsregeln allein schützen in solchen Situationen unzureichend.

Quelle: Hamner L, Dubbel P, Capron I et al. (2020): High SARS-CoV-2 Attack Rate Following Exposure at a Choir Practice — Skagit County, Washington, March 2020. MMWR Morb Mortal Wkly Rep, 69(19): 606–610. DOI: 10.15585/mmwr.mm6919e6