Schwebedauer kleiner Sprechtröpfchen und aerogene COVID-19-Übertragung
PNAS-Studie visualisiert Sprechtröpfchen unter Laserlicht – Minuten bis Stunden Verweildauer in stehender Luft
Stadnytskyi und Kollegen vom NIH benutzten einen Laserlichtstrahl, um das Sprechen in einem abgedunkelten Raum zu visualisieren. Die Studie wurde im Mai 2020 als PNAS-Paper eingereicht.
Methodik
In einem geschlossenen, klimatisierten Raum ohne Luftströmungen wurde eine Person gebeten, laut und wiederholt den englischen Satz «stay healthy» zu sprechen. Ein starker Laserlichtstrahl (Wellenlänge 532 nm) machte die dabei entstehenden Tröpfchen sichtbar; eine Kamera zeichnete die Schwebedauer auf.
Wichtigste Ergebnisse
- Sprechtröpfchen von ca. 12–21 µm blieben 8 bis 14 Minuten in stehender Luft sichtbar.
- Aus einem einminütigen lauten Sprechen wurden schätzungsweise 1'000 Tröpfchen erzeugt, die – bei mittlerer Virenlast – theoretisch über 1'000 Viruspartikel enthalten könnten.
- Die Autoren schliessen, dass normales Sprechen in geschlossenen Räumen mit erheblicher Wahrscheinlichkeit eine aerogene Übertragung begünstigt.
Bedeutung
Die Visualisierung machte das bis dahin abstrakte Konzept «infektiöse Aerosole» eindrücklich sichtbar und trug wesentlich dazu bei, dass die Diskussion um Aerosole und Lüftung in der Öffentlichkeit und in der Wissenschaft an Fahrt gewann.