Überdispersion in der COVID-19-Übertragung – wer sind die Superspreader?
Statistische Analyse zeigt: ca. 10 % der Infizierten verursachen 80 % der Folgefälle – mit Konsequenzen für Schutzmassnahmen
Endo und Kollegen vom London School of Hygiene and Tropical Medicine analysierten COVID-19-Ausbruchscluster ausserhalb Chinas und schätzten den Überdispersionsparameter k.
Modell und Ergebnis
Ein kleiner Wert von k bedeutet starke Überdispersion: Die meisten Infizierten übertragen das Virus gar nicht, wenige übertragen es sehr viele Male. Für SARS-CoV-2 schätzten Endo et al. einen k-Wert von etwa 0,1 bis 0,2.
Praktische Konsequenz: ca. 10 % der Infizierten sind für ca. 80 % der Folgefälle verantwortlich. Rund 70 % der Infizierten übertragen das Virus überhaupt nicht.
Warum das wichtig ist
Die Überdispersion erklärt, warum COVID-19 in Clustern auftritt – und warum Superspreading-Events (Chor, Restaurant, Fitnessstudio, Fleischfabrik) einen so grossen Teil des Infektionsgeschehens erklären.
Für die Strategie der Pandemiebekämpfung folgt daraus: Massnahmen, die Superspreading-Events verhindern – ausreichende Lüftung und Belegungsbegrenzung in Innenräumen – dürften eine wesentlich grössere Wirkung haben als Massnahmen, die gleichmässig auf alle Kontakte abzielen.