Massiver COVID-19-Ausbruch in einem Call-Center – Südkorea

Emerg-Infect-Dis-Studie: 94 von 216 Mitarbeitenden eines Grossraumbüros erkrankten – trotz physischer Distanzierung

· mdu · Hygiene, Studie

Das südkoreanische Call-Center-Cluster war eines der ersten grossen dokumentierten Büro-Ausbrüche und wurde von den koreanischen CDC epidemiologisch untersucht.

Ablauf und Ausmass

In einem Hochhaus in Seoul erkrankten innert weniger Tage 94 von 216 Mitarbeitenden (43,5 %) eines bestimmten Stockwerks. 8 weitere Fälle betrafen Haushaltskontakte dieser Personen. Mitarbeitende auf anderen Stockwerken blieben weitgehend uninfiziert – obwohl sie das gleiche Gebäude nutzten.

Was das bedeutet

  • Die Infektion breitete sich horizontal innerhalb eines Stockwerks aus – nicht vertikal durch das Gebäude.
  • Das Lüftungssystem des betroffenen Stockwerks unterschied sich offenbar von dem anderer Stockwerke.
  • Grossraumbüros mit hoher Belegung, langen Anwesenheitszeiten und sprachintensiver Arbeit (Call-Center) sind besonders risikoreich.

Schlussfolgerung für Bürogebäude

Der Fall belegt, dass physische Trennwände allein (die in vielen Büros eingesetzt wurden) ohne ausreichende Lüftung keine wirksame Schutzwirkung gegenüber aerogener Übertragung bieten. Lüftungskonzepte in Bürogebäuden müssen die Beladung durch viele gleichzeitig sprechende Personen berücksichtigen.

Quelle: Park SY, Kim YM, Yi S et al. (2020): Coronavirus Disease Outbreak in Call Center, South Korea. Emerg Infect Dis, 26(8): 1666–1670. DOI: 10.3201/eid2608.201274