Mund-Nasen-Schutz und Atemschutzmasken
was sie bei einer Pandemie leisten und was nicht
Masken filtern Partikel vor Mund und Nase – je nach Typ und Tragweise mit sehr unterschiedlicher Wirksamkeit. Tröpfchen, die mit grösserer Geschwindigkeit aus Mund und Nase ausgeworfen werden, lassen sich durch einen Mund-Nasen-Schutz weitgehend abfangen. Aerosole folgen dagegen der Luftströmung und nehmen den Weg des geringsten Widerstands – was bei schlecht anliegenden Masken zu erheblichen Leckagenverlusten führt.
Abb. Maskenobligatorium im Alltag: Die korrekte Tragweise ist entscheidend für die Wirksamkeit.
Grundsätzlich unterscheidet man:
- Mund-Nasen-Schutz (MNS): Hygienemasken (Einweg) und Alltagsmasken (Community Masks) – primär zum Fremdschutz
- Atemschutzmasken: FFP2/FFP3 (EN 149) bzw. N95/KN95 – zum Eigenschutz des Trägers
Fremdschutz bezeichnet den Schutz der Umgebung vor Kontamination durch eine infektiöse Maskenträgerin oder einen infektiösen Maskenträger. Eigenschutz bezeichnet den Schutz der Trägerin oder des Trägers vor Viren aus der Umgebung.
Mund-Nasen-Schutz (MNS)
Schutzwirkung
Eine korrekt sitzende Hygienemaske (Typ II nach EN 14683, 98 % Filterleistung des Vlieses) fängt ausgeworfene grössere Tröpfchen mehrheitlich ab und bietet Mund und Nase einen gewissen Schutz vor direktem Tröpfchenauftreffen. Für den Schutz vor aerogener Übertragung ist sie deutlich weniger geeignet.
Abb. Sichtbar gemachter Aerosolaustritt aus den Leckagen eines Mund-Nasen-Schutzes – trotz korrekter Tragweise.
Entscheidend für den Aerosol-Rückhalt ist weniger die Filterleistung des Maskenvlieses als die Dichtigkeit am Gesichtsrand. Eigene Versuche am IBH zeigen: Eine perfekt sitzende Hygienemaske Typ II erreicht unter Laborbedingungen einen gravimetrischen Rückhalt von weniger als 30 % für Aerosole. Sitzt die Maske nicht dicht – durch fehlende Nasenspangenanpassung, zu grosse oder zu kleine Masken oder gekreuzte Befestigungsschlaufen, die die Maske von den Wangen abheben – sinkt dieser Wert auf unter 10 %.
Das bedeutet: Der zeitliche Gewinn bis zum Erreichen einer kritischen Aerosolkonzentration im Raum ist durch eine korrekt getragene Hygienemaske auf rund 40 % geschätzt – bei realem Alltagsgebrauch erheblich geringer. Eine Hygienemaske schützt zudem Mund und Nase vor dem unbewussten Berühren mit möglicherweise kontaminierten Händen (Schmierinfektionsschutz).
Die WHO empfahl das Tragen von MNS in überfüllten Innenräumen ab Juni 2020, wies aber gleichzeitig auf das Risiko einer falschen Handhabung und eines trügerischen Sicherheitsgefühls hin.
Richtige Anwendung
Nur bei korrekter Handhabung entfaltet ein MNS seinen bestmöglichen Schutz. Falsche Handhabung kann sogar das Infektionsrisiko erhöhen (Schmierinfektionen durch kontaminierte Masken):
- Vor dem Aufsetzen: Hände 20–30 Sekunden mit Seife waschen oder desinfizieren
- Innenseite der Maske beim Aufsetzen nicht berühren
- Nasenspange eng an die Nasenkontur anpassen; Maske soll Mund und Nase vollständig bedecken und bis unters Kinn reichen
- Gesicht während des Tragens nicht berühren
- Maske wechseln, sobald sie feucht ist
- Beim Abnehmen nur die Befestigungsschlaufen anfassen (Aussenseite kann kontaminiert sein)
- Einwegmasken sofort in einem geschlossenen Behälter entsorgen
- Wiederverwendbare Masken unmittelbar in einem separaten Beutel verstauen; nicht feucht lagern; bei mindestens 60 °C waschen
Personen mit stark eingeschränkter Atemfunktion (schwere COPD, fortgeschrittenes Asthma) können das Tragen eines MNS als belastend empfinden; regelmässige maskenfreie Pausen sind dann wichtig.
Maskenqualität
Medizinische Hygienemasken (EN 14683:2019, Typ I bis II R) wurden ursprünglich entwickelt, um Keime aus dem Mund-Rachen-Raum von Operationspersonal fernzuhalten – unter Reinraumbedingungen mit vertikaler Verdrängungslüftung und hohem Luftwechsel, nicht für die Anwendung in der Allgemeinbevölkerung.
Alltagsmasken (Community Masks) variieren stark in Material, Lagenanzahl und Passform. Für die meisten im Handel erhältlichen Alltagsmasken fehlt ein unabhängiger Nachweis der Filterleistung und eine Bestätigung der Schadstofffreiheit der verwendeten Materialien. Das Schweizer Prüfsiegel «TESTEX Community Mask» (entwickelt in Zusammenarbeit mit der EMPA) attestiert neben hygienischen und ergonomischen Kriterien auch den «Öko-Tex Standard 100», welcher geringe Schadstoffgehalte im Textil belegt. Die geprüfte Filterleistung bezieht sich allerdings nur auf das Laminat und berücksichtigt keine Leckagen. Alltagsmasken ohne unabhängigen Qualitätsnachweis sind nicht zu empfehlen.
Hinweis: Masken können bei empfindlicher Haut zu Hautreizungen führen («Maskne»). Vor dem ersten Tragen und danach regelmässig waschen; auf Verträglichkeit von Waschmittel und Maskenmaterial achten.
Atemschutzmasken
FFP2 / FFP3 (und N95 / KN95)
Filtrierende Einweghalbmasken nach EN 149 bieten dem Träger einen wirksamen Eigenschutz vor Partikeln und Aerosolen. FFP2 ist das Mindestschutzniveau gegen Viren; FFP3 bietet höhere Filterleistung und oft bessere Dichtigkeit gegenüber dem Gesicht.
Die spezifizierte Dichtigkeit wird nur bei perfekt sitzendem Sitz erreicht. Bereits ein Dreitagebart oder ein stark faltiges Gesicht beeinträchtigen die Dichtigkeit erheblich. FFP2-Masken ohne Ausatemventil schützen auch die Umgebung; solche mit Ventil erleichtern das Atmen und sind insbesondere für Personen mit eingeschränkter Atemfunktion geeignet (Achtung: das Ventil filtert die Ausatemluft nicht).
Die Arbeitszeit mit Atemschutz, der beim Einatmen erhöhten Widerstand bietet, ist zu begrenzen: Gemäss Weigleitung zu den Verordnungen 3 und 4 zum Arbeitsgesetz sind maximal drei Stunden ohne Unterbruch (Pause mind. 30 Minuten) und maximal sechs Stunden pro Tag vertretbar.
Halb- und Vollmasken mit Wechselfilter
Wiederverwendbare Halb- und Vollmasken aus Silikon oder synthetischem Gummi mit wechselbaren Partikelfiltern (P2 entspricht FFP2, P3 entspricht FFP3) dichten die Gesichtskontur in der Regel besser ab als Einwegmasken. Vollmasken schützen zusätzlich die Augenschleimhäute. Diese Masken verfügen über Ausatemventile, die ein versehentliches Einatmen durch die Ausatemöffnung verhindern.
Gesichtsschutzvisiere (Face-Shield)
Gesichtsvisiere bieten Schutz vor direktem Tröpfchenauftreffen auf Augen, Nase und Mund. Vor Aerosolen schützen sie kaum, da die Aerosolwolke seitlich und nach unten umgeleitet wird. Als Alternative zum MNS in gut belüfteten Bereichen mit vorwiegend gegenüberstehendem Kontakt (z. B. Gastgewerbe, Körperpflege) können sie unter bestimmten Rahmenbedingungen eine sinnvolle Option sein.