AGÖF-Leitfaden Hausstaubuntersuchungen 2020 – methodischer Standard für SVOC und Schwermetalle im Hausstaub

Die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute legt nach jahrelanger Entwicklung die Endfassung ihres Hausstaubl eitfadens vor

· mdu · Gebäudeschadstoffe, Innenraumklima, Normen & Richtlinien

Hausstaub ist mehr als Schmutz: Er sammelt sich über Monate und Jahre und enthält Partikel und Schadstoffe aus allen Quellen im Raum – aus Baustoffen, Einrichtungsgegenständen, Textilien, Holzschutzmitteln und dem Aussenbereich. Hausstaubuntersuchungen liefern deshalb ein integrales Bild der Schadstoffbelastung über einen längeren Zeitraum und ergänzen die punktuelle Raumluftmessung sinnvoll.

Die AGÖF (Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute) hat nach einem öffentlichen Einspruchsverfahren am 12. November 2020 die Endfassung ihres Leitfadens für Hausstaubuntersuchungen auf chemische Parameter veröffentlicht. Das 36-seitige Dokument ist kostenlos auf der AGÖF-Website zugänglich.

Hausstaubuntersuchung als preiswertes Breitband-Screening

Hausstaubuntersuchungen sind deutlich günstiger als vergleichbare Raumluftanalysen – und decken gleichzeitig ein erheblich breiteres Schadstoffspektrum ab. Während eine Raumluftmessung auf SVOC aufwändige aktive Probenahme (Pumpen, Sorbensröhrchen, definierte Probenahmedauer) erfordert und nur eine punktuelle Momentaufnahme liefert, genügt für die Hausstaubprobe ein Staubsauger mit geeignetem Sammelsystem.

Dieser Kostenvorteil macht die Hausstaubuntersuchung besonders wertvoll als erstes Screening bei unklarer Sachlage:

  • Besteht ein diffuser Verdacht auf eine Schadstoffbelastung im Innenraum, ohne dass eine konkrete Quelle bekannt ist, liefert die Hausstaubanalyse rasch einen Überblick über das tatsächlich vorhandene Schadstoffspektrum.
  • Ergibt das Screening einen begründeten Befund, lässt sich die anschliessende, aufwändigere Raumluftmessung gezielt auf die relevanten Substanzgruppen eingrenzen – das spart Kosten und liefert schärfere Ergebnisse.
  • Ergibt das Screening keine Auffälligkeiten, lässt sich ein aufwändiges Messprogramm oft vermeiden.

Kurz: Hausstaub zuerst – Raumluft gezielt. Diese Reihenfolge ist methodisch sinnvoll und wirtschaftlich. Der AGÖF-Leitfaden liefert den methodischen Rahmen dafür.

Geltungsbereich: SVOC und Schwermetalle

Der Leitfaden behandelt die Untersuchung von Hausstaub auf mittel- und schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC) und Schwermetalle. SVOC umfassen u.a.:

  • Weichmacher (Phthalate, DINP, DIDP)
  • Flammschutzmittel (PBDE, HBCD, chlorierte Paraffine)
  • PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)
  • Holzschutzmittel (PCP, Lindan, DDT und Metabolite)
  • PCB (polychlorierte Biphenyle)
  • Biozide (Pyrethroide, Isothiazolinone)

Schwermetalle im Hausstaub (Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber) können auf alte Farbanstriche, Rohrleitungen, Böden oder externe Einträge hinweisen.

Anwendungsbereiche

Der Leitfaden beschreibt sechs Anwendungsziele mit je spezifischer Messstrategie:

  • Prüfen auf Schadstoffbelastungen in genutzten Innenräumen
  • Quellensuche bei bekannter oder vermuteter Belastung
  • Toxikologische Beurteilung der staubgebundenen Exposition
  • Kontrolluntersuchung nach Schädlingsbekämpfung
  • Sanierungszielkontrolle
  • Arbeitsschutz und Gefährdungsabschätzung – inkl. Hausstaubuntersuchungen in holzschutzmittelbelasteten Estrich-Räumen (Dachböden)

Probenahmetechniken

Der Leitfaden beschreibt drei Probenahmetechniken:

  • Saugen mit Staubbeutel (Gesamtstaub)
  • Saugen mit vorgeschaltetem Planfilter (Feinfraktion)
  • Kehren (für grobe Fraktionen und Liegestäube)

Für jeden Anwendungsbereich wird die geeignete Technik benannt. Ein Musterformular für das Probenahmeprotokoll ist enthalten.

Bewertungsgrundlage: AGÖF-Orientierungswerte

Die Bewertung stützt sich auf die AGÖF-Hausstaub-Orientierungswerte, die parallel zum Leitfaden gepflegt werden. Diese Orientierungswerte basieren auf Hintergrundkonzentrationen in deutschen Wohngebäuden und erlauben die Einordnung einer Messung relativ zur üblichen Belastungssituation – sie sind keine gesundheitlich-toxikologisch abgeleiteten Grenzwerte.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute e.V. (AGÖF): AGÖF-Leitfaden Hausstaubuntersuchungen auf chemische Parameter – Mittel- und schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC) und Schwermetalle. Version 12.11.2020, 36 Seiten. Kostenloser Download: agoef.de