ISO 16000-44 – wie gut reinigt ein Luftfilter wirklich?
Neue Norm legt Prüfverfahren für Gasphasen-Luftfilter in der Innenraumluft fest
Luftreiniger und Gasphasen-Luftfilter versprechen sauberere Innenraumluft – insbesondere bei VOC-Belastungen, Gerüchen und gasförmigen Schadstoffen. Doch wie lässt sich die Wirksamkeit solcher Geräte objektiv und vergleichbar messen? Genau das regelt die im Oktober 2024 in der deutschen Fassung erschienene DIN ISO 16000-44 («Innenraumluftverunreinigungen – Teil 44: Prüfverfahren zur Messung der wahrgenommenen Innenraumluftqualität zur Verwendung bei der Prüfung der Leistung von Gasphasen-Luftfiltern»; ISO 16000-44:2023).
Der Ansatz: wahrgenommene Luftqualität als Massstab
Das methodisch Interessante an ISO 16000-44 ist ihr Ansatz: Statt die chemische Konzentration einzelner Schadstoffe zu messen, prüft die Norm die wahrgenommene Luftqualität – also das, was Menschen tatsächlich als «saubere» oder «verschmutzte» Luft erleben. Damit greift sie einen Aspekt auf, den chemisch-analytische Verfahren allein nicht erfassen können: Geruchsstoffe und sensorisch wirksame Substanzen, die auch unterhalb von Grenzwerten als störend empfunden werden.
Was die Norm konkret festlegt
ISO 16000-44 definiert ein Prüfkammerverfahren, mit dem sich beurteilen lässt, wie gut ein Gasphasen-Filter gasförmige Verunreinigungen aus der Innenraumluft entfernt. Die Prüfung erfolgt unter standardisierten Bedingungen:
- Definierte Schadstoffkonzentrationen in der Prüfkammer
- Festgelegte Luftvolumenströme
- Sensorische Bewertung durch geschulte Prüfpersonen nach standardisierten Protokollen
Relevanz für die Praxis
Die Norm kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Nach der COVID-19-Pandemie sind mobile Luftreiniger in Schulen, Büros und öffentlichen Gebäuden weit verbreitet. Viele Geräte wurden beschafft, ohne dass belastbare Prüfdaten zur tatsächlichen Wirksamkeit gegenüber gasförmigen Schadstoffen vorlagen – Partikelfilterleistungen (HEPA) wurden häufig mit Gasphasen-Filterwirkung verwechselt.
ISO 16000-44 gibt Planern, Betreibern und Beschaffungsstellen nun ein Werkzeug an die Hand, um Herstellerangaben kritisch zu hinterfragen:
- Ausschreibungen können künftig auf ISO-16000-44-konforme Prüfnachweise abstellen.
- Sachverständige können bei Beschwerden über Geruchsbelastungen beurteilen, ob eingesetzte Filter tatsächlich wirksam sind.
- Hersteller werden zu vergleichbaren, nachvollziehbaren Leistungsangaben verpflichtet.
Die Norm ergänzt die bestehenden Teile der ISO-16000-Reihe zur Messung von VOC (Teil 5, 6) und zur sensorischen Prüfung (Teil 30) und schliesst eine methodische Lücke im Bereich der Filterbewertung.