VDI 6022 Blatt 1.1 – Hygieneanforderungen für dezentrale Lüftungsgeräte konkretisiert
Aktualisierte Richtlinie präzisiert Wartungsintervalle und Hygienekontrollen für dezentrale RLT-Anlagen
Dezentrale Lüftungsgeräte sind aus dem modernen Büro- und Schulbau nicht wegzudenken: Fassaden-Lüftungsgeräte, Induktionsgeräte, dezentrale Zu- und Ablufteinheiten mit Wärmerückgewinnung. Sie bieten Flexibilität und einfachere Installation – bringen aber eigene hygienische Herausforderungen mit sich, die sich von denen zentraler Anlagen unterscheiden.
Die im Oktober 2024 erschienene aktualisierte VDI 6022 Blatt 1.1 («Hygieneanforderungen an RLT-Anlagen und -Geräte – Besonderheiten dezentraler RLT-Anlagen/-Geräte») konkretisiert die Anforderungen an diese Geräteklasse und ergänzt die Grundnorm VDI 6022 Blatt 1 (2018) um gerätespezifische Vorgaben.
Was «dezentral» bedeutet – und warum das hygienisch relevant ist
Dezentrale Lüftungsgeräte sind typischerweise ohne zentrale Lüftungszentrale direkt im oder am Raum installiert. Das hat hygienische Konsequenzen:
- Filter, Wärmetauscher und Lüftungskanäle sind oft schwieriger zugänglich als in zentralen Anlagen.
- Wartungsverantwortlichkeiten sind häufig unklar, besonders in Miet- oder Schulgebäuden.
- Kondensat und Feuchte können sich in schlecht gewarteten Geräten ansammeln und Schimmel- oder Bakterienwachstum fördern.
- Kleine Volumina und kurze Strömungswege begünstigen unter Umständen die Rückbefeuchtung von Abluft.
Die wichtigsten Neuerungen
Die aktualisierte Fassung bringt insbesondere:
Konkretisierte Wartungs- und Reinigungsintervalle: Klare Vorgaben, wann Filter zu wechseln und wann Wärmetauscher zu reinigen sind – bezogen auf die spezifischen Eigenschaften dezentraler Geräte.
Neue Vorgaben für Stichprobenkontrollen: Betreiber grösserer Gebäude mit vielen dezentralen Einheiten erhalten Vorgaben, wie sie durch repräsentative Stichproben den Hygienezustand ihrer Anlage überwachen können. Das ist praxisrelevant, weil es in grossen Liegenschaften nicht immer möglich ist, jedes einzelne Gerät im selben Rhythmus zu prüfen.
Klarere Verantwortungszuweisung: Die Richtlinie präzisiert, wer – Betreiber, Eigentümer oder Wartungsfirma – welche Pflichten trägt.
Bedeutung für Planung, Betrieb und Haftung
VDI-Richtlinien gelten in Deutschland als anerkannte Regeln der Technik. Bei Haftungsstreitigkeiten – etwa nach einem Legionellenfall oder nach Klagen wegen Sick-Building-Beschwerden – prüfen Sachverständige, ob Richtlinien eingehalten wurden.
In der Schweiz ist VDI 6022 zwar kein direkt verbindliches Regelwerk; SWKI VA104-01 (Raumlufttechnik, Hygiene) ist die massgebliche Schweizer Grundlage. Die VDI-Richtlinien werden aber als ergänzende Fachreferenz herangezogen, besonders dort, wo SWKI keine spezifischen Aussagen macht – wie etwa zu dezentralen Geräten. Betreiber und Planer sind gut beraten, die aktualisierten Anforderungen der VDI 6022 Blatt 1.1 in ihr Instandhaltungskonzept zu integrieren.