ISO 16000-42 – Feinstpartikel in der Innenraumluft erstmals genormt messen

Neue Norm regelt die Messung der Partikelanzahlkonzentration mit Kondensationspartikelzählern

· mdu · Innenraumklima, Normen & Richtlinien

Wenn über Feinstaub in der Innenraumluft gesprochen wird, dominiert die Massenbeschreibung: PM2.5, PM10 – Partikel bis 2.5 bzw. 10 Mikrometer. Die gesundheitliche Forschung zeigt aber zunehmend, dass ultrafeine Partikel (UFP) – kleiner als 100 Nanometer – besonders problematisch sind: Ihre Oberfläche im Verhältnis zur Masse ist riesig, sie dringen tief in die Lunge ein und können in die Blutbahn gelangen.

Die im Februar 2025 in der deutschen Fassung erschienene DIN ISO 16000-42 («Innenraumluftverunreinigungen – Teil 42: Messen der Partikelanzahlkonzentration mit Kondensationspartikelzählern»; ISO 16000-42:2023) regelt erstmals die Messung dieser Partikel in Innenräumen nach einem genormten Verfahren.

Das Messprinzip: Kondensationspartikelzähler (CPC)

Kondensationspartikelzähler (engl. Condensation Particle Counter, CPC) sind Geräte, die ultrafeine Partikel durch Kondensation einer Trägerflüssigkeit (oft Butanol oder Wasser) auf Partikelkerne vergrössern und dann optisch zählen. Sie erfassen Partikel ab etwa 10 nm – weit unter den Grenzen konventioneller optischer Partikelzähler.

Die Norm legt fest:

  • Anforderungen an Geräte und Kalibrierung
  • Probenahmestrategien für Innenräume
  • Qualitätssicherung und Dokumentation der Messergebnisse
  • Auswertung und Darstellung der Partikelanzahlkonzentration

Typische Quellen ultrafeiner Partikel im Innenraum

Ultrafeine Partikel entstehen in Innenräumen insbesondere durch:

  • Kochen (besonders Braten und Frittieren): Partikelanzahlkonzentrationen können kurzzeitig extrem hohe Werte erreichen.
  • 3D-Drucker: Tintenstrahldrucker und Laserdrucker emittieren ultrafeine Partikel; 3D-Drucker sind ein wachsender Problembereich.
  • Kerzen und Räucherstäbchen: Verbrennung produziert hohe UFP-Konzentrationen.
  • Tabakrauch und E-Zigaretten
  • Aussenluft-Einträge durch Verkehr und Industrie

Was die Norm für die Praxis bedeutet

ISO 16000-42 ist ein Messnorm – sie macht keine Aussage darüber, welche Partikelanzahlkonzentrationen gesundheitlich unbedenklich oder bedenklich sind. Grenzwerte für UFP in der Innenraumluft gibt es zum heutigen Zeitpunkt weder auf Schweizer noch auf EU-Ebene. Die Norm ist deshalb zunächst relevant für:

  • Wissenschaft und Forschung: Vergleichbare Messdaten aus verschiedenen Studien und Ländern werden ermöglicht.
  • Gebäudemonitoring und Zertifizierung: Fortschrittliche Gebäudekonzepte können UFP-Messungen in ihre Luftqualitätsnachweise integrieren.
  • Sachverständigengutachten: Bei Beschwerden in Gebäuden mit bekannten UFP-Quellen liegt nun ein normiertes Messverfahren vor.

Die Entwicklung gesundheitlicher Beurteilungswerte für UFP in Innenräumen dürfte in den kommenden Jahren folgen.

Quelle: ISO 16000-42:2023 – Innenraumluftverunreinigungen – Teil 42: Messen der Partikelanzahlkonzentration mit Kondensationspartikelzählern. DIN-Fassung Februar 2025.