WTA-Merkblätter 6-10 und 6-11 – Luftdichtheit im Bestand jetzt vollständig überarbeitet

Neue Fassungen regeln Detailplanung, Ausführung und Messung der Luftdichtheit im Gebäudebestand

· mdu · Bauphysik, Feuchte & Schimmelpilzschäden, Normen & Richtlinien

Luftdichtheit ist im Neubau seit Jahren Standard – im Bestand hingegen bleibt sie eine anspruchsvolle Aufgabe. Undichte Anschlüsse, Leitungsdurchdringungen, Bauteilfugen und historische Konstruktionen machen es schwierig, den Grundsatz «dicht und kontrolliert lüften» konsequent umzusetzen. Gleichzeitig ist die Luftdichtheit im Bestand mit der wachsenden Zahl energetischer Sanierungen immer relevanter geworden – falsch ausgeführte Luftdichtheitsebenen können zu Tauwasserbildung, Schimmelpilzbefall und Schadensfolgen führen.

Die WTA-Merkblätter 6-10 und 6-11, die im Januar 2026 gleichzeitig in überarbeiteter Fassung erschienen sind, runden die WTA-Merkblattreihe zur Luftdichtheit im Bestand ab:

  • 6-10: Teil 2 «Detailplanung und Ausführung» (überarbeitet)
  • 6-11: Teil 3 «Messung der Luftdichtheit» (überarbeitet)

WTA-MB 6-10: Detailplanung und Ausführung

WTA-MB 6-10 befasst sich mit der praktischen Umsetzung von Luftdichtheitsmassnahmen im Bestand. Es gibt Planern und Ausführenden Orientierung für:

  • Detailpunkte an kritischen Anschlüssen: Fenster, Türen, Dachfuss, Deckenanschlüsse, Leitungsdurchdringungen
  • Materialwahl: Klebebänder, Vorlegebänder, Manschetten, Membranen – mit Hinweisen auf Dauerhaftigkeit und Kompatibilität
  • Schichtenfolge der Luftdichtheitsebene in verschiedenen Bauteilkonstruktionen
  • Besonderheiten im Bestand gegenüber dem Neubau: vorhandene Konstruktionen, begrenzte Zugänglichkeit, historische Substanz

Besonders wichtig: Das Merkblatt berücksichtigt die Anforderungen der aktuellen Normung (EN 13829, SN 180023) und gibt Hinweise auf die notwendige Abstimmung mit dem Feuchteschutznachweis nach WTA-MB 6-2.

WTA-MB 6-11: Messung der Luftdichtheit

WTA-MB 6-11 regelt die Messung der Luftdichtheit im Bestand nach dem Druckdifferenzverfahren (Blower-Door-Test). Die überarbeitete Fassung umfasst:

  • Messverfahren und Messanordnungen (Einpunkt- und Mehrpunktmessung)
  • Anforderungen an die Messgeräte und Kalibrierung
  • Vorbereitung des Gebäudes vor der Messung
  • Auswertung und Dokumentation der Messergebnisse (n₅₀-Wert, q₅₀-Wert)
  • Interpretation der Messergebnisse: Was ist für Bestands- und Altbausanierungen realistisch erreichbar?

Warum Luftdichtheit und Feuchteschutz untrennbar sind

Für die Bauhygiene besonders relevant: Undichtheiten in der Luftdichtheitsebene sind nicht nur ein Energieproblem. Wenn warme, feuchte Innenraumluft durch Undichtheiten in kältere Bauteilschichten eindringt, kondensiert der Wasserdampf dort aus. Das Ergebnis: Tauwasserbildung an nicht vorgesehenen Stellen, Durchfeuchtung von Dämmstoffen, Holzkonstruktionen oder Mauerwerk – und in der Folge Schimmelpilzwachstum, oft verborgen hinter Verkleidungen.

Die WTA-Merkblätter 6-10 und 6-11 helfen, diese Schäden präventiv zu vermeiden und bestehende Luftdichtheitsdefizite im Bestand systematisch zu lokalisieren und zu beheben. Sie ergänzen die Merkblätter 6-1 (Simulationsleitfaden) und 6-2 (Simulationsberechnungen) um die praktische Ausführungs- und Messperspektive.

Quelle: WTA-Merkblatt 6-10, Ausgabe 01/2026/D – Luftdichtheit im Bestand, Teil 2: Detailplanung und Ausführung. WTA-Merkblatt 6-11, Ausgabe 01/2026/D – Luftdichtheit im Bestand, Teil 3: Messung der Luftdichtheit. Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.