Mikroplastik in Innenraumluft und Hausstaub: ein Review ordnet Vorkommen, Quellen und Wissenslücken
Eine aktuelle Übersichtsarbeit fasst den Forschungsstand zu luftgetragenem Mikroplastik in Innenräumen zusammen. Die Konzentrationen liegen oft höher als im Freien, belastbare Bewertungsmassstäbe fehlen
Mikroplastik gilt lange als Thema der Gewässer und der Aussenluft. Eine im Februar 2026 erschienene Übersichtsarbeit in «Water, Air, & Soil Pollution» rückt die Innenräume in den Vordergrund. Sie wertet die Literatur von Januar 2019 bis Januar 2026 aus und kommt zum Schluss, dass die Konzentrationen luftgetragenen Mikroplastiks drinnen jene im Freien häufig übersteigen. Belastbare Grenz- oder Richtwerte und einheitliche Messverfahren fehlen.
Was die Arbeit zusammenträgt
Das Review systematisiert Vorkommen, regionale Verteilung, Partikeleigenschaften und Einflussfaktoren von luftgetragenem Mikroplastik in Innenräumen. Es betrachtet die Expositionspfade und die bisher dokumentierten gesundheitlichen Endpunkte und benennt die methodischen Lücken. Die Autorinnen und Autoren stützen sich auf eine Datenbankrecherche über Scopus, Web of Science, PubMed, ScienceDirect, SpringerLink und weitere Plattformen.
Zentrale Aussage ist die Quellenfrage. Innenräume erzeugen Mikroplastik selbst, vor allem als Fasern aus Textilien, Teppichen und Polstern sowie als Abrieb von Kunststoffoberflächen. Weil sich diese Partikel in einem begrenzten Luftvolumen anreichern und durch Nutzung wieder aufgewirbelt werden, liegen die Innenraumwerte vielerorts über den Aussenwerten. Menschen nehmen Mikroplastik in Innenräumen vor allem über die Atemluft und über verschluckten Staub auf; der dermale Pfad gilt als nachrangig.
Wo die Unsicherheit liegt
Die Arbeit macht deutlich, dass die Datenlage uneinheitlich ist. Probenahme, Aufbereitung und Analytik unterscheiden sich zwischen den Studien erheblich, weshalb sich Konzentrationen schwer vergleichen lassen. Für die kleinsten und damit lungengängigen Partikel ist die Erfassung besonders schwierig. Gesundheitliche Wirkungsschwellen sind nicht etabliert. Die Autorenschaft fordert standardisierte Methoden und einen abgestimmten Rahmen für die Expositions- und Risikobewertung.
Für die Schweizer Praxis folgt daraus Zurückhaltung bei Zahlen. Es gibt keine Richtwerte für Mikroplastik in der Innenraumluft, weder beim BAG noch in einschlägigen Normen. Aussagen über ein konkretes Gesundheitsrisiko im Einzelfall sind derzeit nicht belegbar.
Was sich heute sagen lässt
Solange Wirkungsschwellen fehlen, greifen die allgemeinen Grundsätze der Innenraumhygiene, die unabhängig vom Mikroplastik gelten. Quellen lassen sich begrenzen, etwa über die Material- und Textilwahl. Regelmässiges Lüften verdünnt die Partikelfracht in der Luft. Und staubarme Reinigung, die Staub bindet statt aufwirbelt, hält die Belastung am Boden tief. Diese Massnahmen sind erprobt und sinnvoll, auch ohne dass sich das spezifische Risiko durch Mikroplastik heute beziffern lässt.