LeCo-Projekt – Schweizer Legionellenforschung

Fünf Jahre Forschung zu Legionellen in Gebäuden münden in eine Stellungnahme des Bundes

· mdu · Trinkwasser, Forschung / Studie, Hygiene / Gesundheit

Am 12. Mai 2026 hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) den Schluss- und Synthesebericht sowie die Stellungnahme des Bundes zum Forschungsprojekt «LeCo – Legionella Control in Buildings» veröffentlicht. Fünf Jahre lang untersuchte ein multidisziplinäres Konsortium, weshalb sich Legionellen in Wasserleitungen und sanitären Anlagen von Gebäuden ausbreiten und wie sich das wirksam verhindern lässt. Eine der Kernerkenntnisse dürfte manche Praxis überraschen: Duschen sind in der Schweiz nicht die primäre Infektionsquelle der Legionärskrankheit.

Ausgangslage

Die Legionärskrankheit hat in der Schweiz und weltweit zugenommen. Bereits 2019 verzeichnete das Sentinella-Meldesystem des Bundesamts für Gesundheit (BAG) 582 Fälle, davon endeten 5 bis 10 Prozent tödlich. Als Reaktion darauf legte das BLV 2017 zwei Höchstwerte für Legionellen im Wasser aus sanitären Anlagen fest, die heute in der Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV) geregelt sind.

Um diese Höchstwerte künftig zuverlässiger einhalten zu können, lancierten BLV, BAG und Bundesamt für Energie (BFE) 2019 das Forschungsprojekt LeCo. Es lief von 2020 bis 2025 und wurde ursprünglich mit 2.6 Millionen Franken budgetiert.

Das Konsortium

Vier Schweizer Institutionen bearbeiteten das Projekt unter der Leitung der Eawag:

Institution Fachbereich
Eawag – Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs Projektleitung, Trinkwassermikrobiologie
Schweizerisches Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) Krankheitserreger und Humangesundheit
Hochschule Luzern, Gebäudetechnik und Energie Anlagentechnik, Energie
Kantonales Labor Zürich, Fachstelle Legionellen Nachweisverfahren, Praxisbezug

Die Arbeit gliederte sich in acht Arbeitspakete: Risikoanalyse, Probenahmemethoden, Nachweisverfahren, Epidemiologie, Rolle der Temperatur, Energiesparen, Ökologie von Legionellen und Desinfektion.

Vier Kernerkenntnisse

Nicht alle Legionellen sind gleich gefährlich

Im Trinkwasser kommen verschiedene Legionellen-Arten vor, die Legionärskrankheit wird aber überwiegend durch Legionella pneumophila verursacht. Der Bund will die Vorgaben zum Legionellenmanagement in öffentlich zugänglichen Gebäuden entsprechend verfeinern – differenziert nach Art, Höchstwert und Vorhandensein von Risikopersonen im Gebäude.

Duschen bleiben ein Infektionsrisiko

Sind Duschen mit L. pneumophila belastet, besteht ein erhebliches Infektionsrisiko, warmes Wasser erhöht dieses zusätzlich, weil mehr Aerosole entstehen. Der Bund sieht hier Sensibilisierungsbedarf, insbesondere an Standorten mit Risikopersonen (Spitäler, Pflegeheime).

Duschen sind aber nicht die primäre Infektionsquelle

Das dürfte für die Praxis der wichtigste und am wenigsten erwartete Befund sein: Die Zuordnung von Krankheitsfällen zu einer konkreten Infektionsquelle erwies sich als methodisch sehr schwierig, die erhobenen Daten deuten aber darauf hin, dass Duschen in der Schweiz nicht die primäre Infektionsquelle sind. Der Bund fordert deshalb zusätzliche Richtlinien für die Untersuchung von Umweltquellen ausserhalb von Gebäuden.

Planung und Betrieb der Warmwassersysteme sind entscheidend

Viele Probleme entstehen schlicht durch die Nichtbeachtung bestehender Regeln. Der Spielraum, gleichzeitig Energie zu sparen und die Hygiene zu gewährleisten, ist begrenzt. Empfohlen werden eine bessere Planung und ein besserer Betrieb von Warmwasserspeichersystemen und Endverteilern, mit Fokus auf eine Zirkulationstemperatur von mindestens 55 °C, sowie zusätzliche Weiterbildung für alle Stakeholder.

Einordnung für die Praxis

Die Stellungnahme bestätigt im Kern, was SIA 385/1:2011 und die SVGW-Richtlinie W3/E4 bereits verlangen: korrekte Temperaturführung, keine Stagnation, fachgerechter Betrieb. Neu und für Sachverständige relevant ist die explizite Differenzierung nach Legionellen-Art und Risikopersonen sowie die Bestätigung, dass die Quellensuche bei Erkrankungsfällen nicht am Gebäude enden darf. Ob und wann diese Empfehlungen in eine Revision der TBDV oder der einschlägigen Normen münden, ist der Stellungnahme nicht zu entnehmen – das bleibt vorerst offen.

Der Befund zur Dusche als nicht primärer Infektionsquelle fügt sich zu dem, was wir kürzlich anhand des grössten US-Datensatzes zu Legionellen im Gebäude eingeordnet haben: Auch dort war die Hausinstallation der entscheidende Hebel, nicht die Aufbereitung im Verteilnetz. Zwei unabhängige Datenquellen – ein US-Datensatz zu Restdesinfektionsmitteln, ein Schweizer Forschungsprojekt zu Infektionsquellen – weisen damit in dieselbe Richtung: Die Lösung liegt im Gebäude, nicht im Netz.

Quelle: BLV: Legionellen-Bekämpfung in Gebäuden, Stellungnahme des Bundes und Schlussbericht (12.05.2026) | Eawag: LeCo-Forschungsprojekt | Hochschule Luzern, Gebäudetechnik und Energie: blog.hslu.ch/leco