Radonmessungen

Belastung und Eintrittspfade ermitteln

Es gibt Fragestellungen, für die eine anerkannte Radonmessung (Nachweis über die Einhaltung gesetzlicher und normativer Anforderungen) nicht die richtige Lösung darstellt. Zur beantwortung solcher Fragen zur Radonproblematik stehen uns andere Methoden und Messmittel zur Verfügung.

Radonmessungen als Planungsgrundlage

Kurzeitmessungen

Mit einem elektronischen Radondetektor, wie dem dem Ramon 2.2 oder einem Radon Scout lassen sich schon nach wenigen Tagen Trends erkennen. Sie stellen im Vergleich zu qualitativ hochwertigen Messgeräten eine kostengünstige Lösung dar, wenn bereits nach kurzer Zeit eine erste Abschätzung über die Rafdonbelastung gemacht werden soll. Das parallele Messen mit mehreren elektronischen Radondetektorn ermöglicht oft eine ungefähre Lokalisierung von Eintrittswegen des Radons. Auch sind elektronischen Radondetektoren viel einfacher in der Handhabung wie Messgeräte.

Messungen nur während den Belegzeiten

Arbeitsräume, Versammlungsräume und Schulräume werden oft während den Belegungszeiten gelüftet. Das bedeutet, dass sich Radon ausserhalb der Belegungszeiten, wenn sich keine Menschen in diesen räumen aufhalten, stärker anreichert, wie währenden den Belegungszeiten. Dadurch wird bei einer durchgehenden Messung, bei denen die Zeiten ohne Belegung nicht ausgeblendet wird, die Belastung durch Radon überbewertet . Da dar elektronischen Radondetektor Ramon nur misst, wenn er mit Strom aus der Steckdose versorgt wird, bei Netzwiederkehr die Messung da weiter macht, wo sie vor dem Stromunterbruch unterbrochen wurde, lässt sich die Messung über eine Schaltuhr mit Wochenprogramm auf die Belegzeiten eingrenzen.

Messtechnische Ermittlungen bei komplexen Fragestellungen

Um für eine gute Planung von Radonsanierungen komplexe Radonprobleme untersuchen zu können, sind oft Messungen mit professionelleren Radonmessgeräten, die zeitlich aufgelöst die Radonkonzentraton aufzeigen können, gefragt. Solche Messungen sind erfahrenen Messprofis vorbehalten und mit Aufzeichnungen des Innenraum- und des Aussenklimas zu ergänzen.

Stationäre oder personbezogene Messung der beruflich Strahlenexposition

Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsbedingungen und Aufenthaltszeiten der Beschäftigten in den betreffenden Räumlichkeiten ist es oftmals sinn­voll, ein Untersuchungskonzept mit einer Kombination aus Personen- und Ortsmessungen zu erstellen. Die Beantwortung spezieller Fragestellungen ist in der Regel nur durch zeitauflösende Messungen und deren korre­lie­ren mit variierenden Raumnutzungsbedingungen oder Arbeitsabläufen (z.B.: Betrieb von Ventilatoren, Pumpen usw.) möglich.

Die Grafik zeigt die Aufzeichnung mit dem Radonmessgerät Radon Scout Plus. Im Verlauf sind die zeitlich starken Schwankungen der Radonkonzentration im Keller eines Einfamilienhauses zu sehen und wie die Radioaktivität unter Föhneinflluss von weit über 1'000 Bq/m3,  innert kürzester Zeit, auf unter 100 Bq/m3 absinkt - der Föhn hat in diesem Objekt diesen Einfluss, er kann aber in einem anderen Gebäude gegenteilig wirken

Das IBH Beurteilungsschema

Nebst der Beurteilung entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, beurteilt die IBH Messstelle die Messergebnisse nach dem Beurteilungsschema des Instituts für Bauhygiene. Dieses hat den Status einer Empfehlung gemäss dem aktuellen Stand der Technik. Als Grundlagen für das Schema zur Beurteilung der Dringlichkeit einer Radonsanierung wurden folgende Vorgaben miteinbezogen:

  • Allgemeines Schema IBH zur Beurteilung von Gebäudeschadstoffen, das sich an der gängigen Dringlichkeitsbeurteilung von Asbest in Gebäuden orientiert (Abweichung: bei Suva hat I die höchste Dringlichkeit für eine Sanierung - bei IBH ist bei 0 keine Sanierung erforderlich und bei I besteht die geringste Dringlichkeit für eine Sanierung);
  • geltender Grenz- und Richtwert
  • Referenzwert WHO von 100 Bq/m3;
  • Referenzwert von 300 Bq/m3, der gemäss dem Entwurf der neuen StSV im Jahresdurchschnitt in Räumen, die für die Dauernutzung bestimmt sind, nicht überschritten werden, ein Referenzwert für übrige Räume ist für die Allgemeinbevölkerung in der StSV nicht festgelegt;
  • Baunorm SIA 180 "Wärmeschutz, Feuchteschutz und Raumklima in Gebäuden", Version 2014 - Die Radonkonzentration soll möglichst tief und sicher unter 300 Bq/m3 liegen;
  • Marktbedürfnis der Gesellschaft nach Räume mit besonders hohen Luftqualität (z.B. Bauqualitätslabel).

Dringlichkeit von Sanierungen zur Reduktion von Radon

IBH-Schema: Dringlichkeit einer Radonsanierung
Radonkonzentration in der Raumluft Qualität / Nutzung des Innenraumes
Alphastrahlung [Bq/m3] Klassierung spezielle Anforderung häufiger Aufenthalt kurzzeitiger Aufenthalt
< 100 typisch I 0 0
100 - 300 erhöht II I 0
300 - 1000 kritisch III II I
1000 - 3000 hoch III III II
> 3000 sehr hoch III III III

Dringlichkeitsstufe 0: Die Radonbelastung muss nicht weiter beachtet werden.

Dringlichkeitsstufe I: Bei baulichen Vorhaben ist die Schadstoffbelastung adäquat zu berücksichtigen.

Dringlichkeitsstufe II: Eine unverzügliche Sanierung drängt sich nicht zwingend auf. Bei baulichen Vorhaben ist die Radonbelastung mit adäquaten Massnahmen zu reduzieren. Zudem sind Neubeurteilungen nötig, zum Einen periodische (die Radonbelastung kann sich verändern) und zum Anderen bei Nutzungsänderungen oder besonderen Vorkommnissen.

Es ist bei Gebäuden, die die SIA 180 - Version 2014 einzuhalten haben (gilt heute praktisch für alle Neu- und Umbauten) oder bei denen ein anderes vertraglich festgelegtes Qualitätsziel nicht eingehalten ist, von einem Baumangel, bei einem Mietobjekt auch von einem Mietmangel auszugehen.

Dringlichkeitsstufe III: Die Situation erfordert in der Regel eine Sanierung, die umgehend eingeleitet werden muss. Bis die Sanierung ausgeführt wird, sind allenfalls temporäre Massnahmen (z.B. vermehrtes Lüften) erforderlich.

Forderung nach einer hohen Luftqualität

Die Forderung nach einer hohen Luftqualität kann ein Mieter gegnüber dem Vermieter oder ein Käufer gegenüber einem Verkäufer oder ein Bauherr gegenüber dem Ersteller des Bauwerkes nur einfordern, wenn vorgängig eine hohe Luftqualität, vertraglich zugesichert wurde. Die Zusicherung kann auch über ein Qualitätslabel, das diese Anforderung bezüglich max. Radonbelastung beinhaltet, als gegeben erachtet werden.